An der Bushaltestelle

Gestern war MONTAG – und zwar ein ECHTER Montag – wie Montage so sind:

Ich hätte beinah noch den Bus verpasst (bei einer weniger freundlich gestimmten Busfahrerin hätte ich das auch), musste dem hinterher sprinten, was bei meinen Massen Erdbeben verursacht. Es hätte auch leicht als Versuch, den Bus zu verjagen, gedeutet werden können – und scheint auch gewirkt zu haben – heute kam kein Bus. (Danke ver.di für die gerade nicht sehr passende Gelegenheit, zum Dienst zu laufen. Mein Oberschenkel ist innen bereits aufgerieben, das heilt bei bei längeren „Spaziergängen“ auch besonders gut ab! Und wenn mich das nicht schafft, ist die Kombination aus Schweiß und Temperaturen um 6 bis 8 Grad auch noch da, nicht wahr. Das nennt man Beamte zum „Streiken“ zu zwingen, PFUI! Das ist es nicht, was die Koalitionsfreiheit des GG meint!!)

Dann stieg ich um, wie jeden Morgen. Der Bus hält direkt am Radweg, eine andere Möglichkeit, als umgehend auszusteigen, gibt es für die Buspassagiere nicht. Das sollte auch Radfahrenden klar sein. Diese Buspassagiere versuchen natürlich sofort, den Radweg zu verlassen und der dort befindlichen U-Bahnstation zuzustreben. Auch das sollte Radfahrenden klar sein.

Logische Konsequenz: Wenn ein Bus hält, hält auch der Radfahrer, wartet einige wenige Sekunden, bis die Busfahrenden den Radweg frei gegeben haben und fährt dann entspannt weiter.

Nicht so die junge Dame, die gestern weiter fuhr, genau in den Weg der vom Bus weg strömenden Fahrgäste hinein. Und als ich sie darauf aufmerksam machte, dass sie besser getan hätte, anzuhalten, pampte sie noch rum, dass sei IHR Radweg.

Also, von der StVO hat sie noch nicht gehört:

„(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“

Da die Buspassagiere hier aussteigen MÜSSEN und auch vom Bus weg MÜSSEN, damit die nachfolgenden Passagiere auch aussteigen können, war es an IHR, Rücksicht zu nehmen!

Aber Rücksichtnahme war wohl nicht ihre Stärke. Oder Regeln beachten. Oder Logik Oder alles zusammen.

Oder in anderen, allgemeineren Worten gesprochen – Radfahrende wie sie sind der Grund, warum Radfahrer einen so schlechten Ruf haben … scheinbar scheinen sie der Meinung anzuhängen, für sie existieren keine Regeln.

Ich hätte weitere Regeln aufzubieten:

§ 11  Absatz 3 StVO

„(3) Auch wer sonst nach den Verkehrsregeln weiterfahren darf oder anderweitig Vorrang hat, muss darauf verzichten, wenn die Verkehrslage es erfordert;“

Ich denke, nach meinen obigen Ausführungen kann man hier diesen Fall bejahen. Die Buspassagiere MÜSSEN den Bus umgehend verlassen, da ist kein Abwarten möglich. Daher ergibt sich für die Radfahrende, die EIGENTLICH ein Vorrecht auf ihrem Radweg hat, die Pflicht, die querenden Fußgänger vorbeizulassen.

Jetzt könnte mir besagte Radfahrende natürlich § 14 Absatz 1 vor die Nase halten:

„(1) Wer ein- oder aussteigt, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung anderer am Verkehr Teilnehmenden ausgeschlossen ist.“

Aber wenn ich aus einem Bus aussteige, kann ich nur den gerade vor meiner Bustür befindlichen Radfahrer abwarten, nicht den, der noch von hinten heran kommt.

Freundlicherweise aber kann ich mir die ganzen Ausführungen oben eigentlich sparen, denn es gibt einen Spezialparagrafen für Buspassagiere:

§ 20
Öffentliche Verkehrsmittel und Schulbusse

(1) An Omnibussen des Linienverkehrs, an Straßenbahnen und an gekennzeichneten Schulbussen, die an Haltestellen (Zeichen 224) halten, darf, auch im Gegenverkehr, nur vorsichtig vorbeigefahren werden.

(2) Wenn Fahrgäste ein- oder aussteigen, darf rechts nur mit Schrittgeschwindigkeit und nur in einem solchen Abstand vorbeigefahren werden, dass eine Gefährdung von Fahrgästen ausgeschlossen ist. Sie dürfen auch nicht behindert werden. Wenn nötig, muss, wer ein Fahrzeug führt, warten.

Also – auch der Gesetzgeber sieht hier einen besonderen Schutz für aussteigende Fahrgäste vor – und die Radfahrerin hätte hier gemäß Absatz zwei, Satz drei eine Wartepflicht gehabt! Denn ohne Behinderung der Fahrgäste kam sie hier nicht am Bus vorbei.

So, nun, liebe mitlesende Radfahrer, habt Ihr was gelernt. Die junge Dame wird es wohl nicht mitlesen – daher, weitersagen! Vielleicht erreicht es sie ja sogar. Denn: DIE REGELN der  StVO GELTEN AUCH FÜR UNSERE RADFAHRENDEN FREUNDE.
*Ich habe fast zwei Tage die Luft angehalten, um nicht in der ersten Wut zu schreiben.*

Der Rest der Woche wurde dann auch nicht besser – heute mit dem Streik. Ich bin ja hin- und hergerissen.
Ich bin selber im Öffentlichen Dienst. Ich profitiere vom Abschluss. Natürlich ist da ein kleiner Spaziergang (kostet mich 1 Stunde meines Lebens heute, beide Richtungen) ein kleines Opfer.
ABER – ich bin eben auch KUNDE des Öffentlichen Dienstes, wie wir alle. Ich bin momentan, wie oben erwähnt, gesundheitlich angeschlagen – Danke Großer Vorsitzender für die Erkältung. Ich muss jetzt bei KALTEM WETTER auf meine im Voraus bezahlten Leistungen verzichten und bekomme nichts erstattet, obwohl keine Leistung erbracht wurde. Dass ich keinen Schadensersatzanspruch gegen die Üstra habe, ist mir ja klar – Höhere Gewalt. Aber normalerweise, wenn man eine Leistung nicht erhält, muss man dafür auch nicht bezahlen, es sei denn, man hat die Nichtleistung verschuldet. Das ist hier nicht der Fall. Ich hätte also einen Erstattungsanspruch von 1/30tel meiner April-Monatskarte – das ist kein Schadensersatzanspruch (sonst würde ich Schmerzensgeld geltend machen, s.o.) – aber dass ich zahlen muss, ohne eine Leistung erhalten zu können, wurmt mich.
Mit dem Streik werde also ich als Kunde der Üstra geschädigt, der Arbeitgeber Üstra dagegen merkt es weniger. Keine Lohnkosten für den Tag, kein Strom, keine Treibstoffkosten – die Üstra ist fein raus.
Hier wird also in der Tat der Passagier, der ja KEINEN Einfluss auf die Tarifparteien hat, in seinem Vermögen geschmälert. Kann das sein? Ja, das Streikrecht von ver.di ist ein hochwertiges Gut. Aber kann ich nicht statt bei den Üstra-Leute beim Müll oder statt bei der Kinderbetreuung beim Finanzamt (da vor allem bei der Steuerprüfung, wo richtig Geld reinkommt) streiken? Irgendwo, wo es den Arbeitgeber richtig trifft, weniger die Bevölkerung??
Ja, ich weiß, Polizei darf nicht streiken, die sind nämlich Beamte. Aber die Üstra ist wirklich der falsche Ansatzpunkt. Bestraft werden vor allem Kranke (heute kam mir eine Frau mit Zwillingen und auf Krücken entgegen, weil ihr Bus nicht fuhr), Senioren (beim Arzt kam eine Frau mit Rollator raus – es war der Hautarzt, bei dem man einen Termin auf eigene Gefahr absagt, man bekommt nie wieder einen.) oder Leute, die gerade mit Gepäck unterwegs sein müssen (ein Postcrosser tritt heute seine Reha an – gut, dass er nicht in Niedersachsen zur Kur muss).
Das Allerschlimmste – dies ist „nur“ ein Wanrstreik. Man verhandelt eigentlich noch. MUSS DAS SEIN, ver.di, dann schon die Keule rauszuholen, auf den Esel einzuschlagen und doch nur den Sack zu treffen? Muss man gleich mit Atombomben auf Spatzen schießen? Das ist doch unverhältnismäßig! Zeigt Krallen, aber zerfleischt nicht gleich das unbeteiligte Publikum, nur um Eure Gegenseite zu beeindrucken.

 

2 Antworten zu “An der Bushaltestelle

  1. Tut mir leid dass der montag ein richtiger MOAN-DAY war :o( I finde das auch nicht gut, wenn alles raeder still stehen :o(

    • Merci beaucoup, Easy, dein Mitgefühl tut mir gut. Ich muss schließlich in einer Stunde nach Hause LAUFEN – und wo heute Morgen wenigstens noch ein wenig die Sonne rausschaute, hab ich jetzt nur noch REGENWOLKEN im Blick😦 Eine Moanweek …

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