Bunt

Der Abend heute stand für mich unter dem Motto „Bunt statt braun“:

Es drohte sich hier ein Trüppchen breit zu machen, mit dem ich meine kleine Provinzstadt nicht in Verbindung gebracht sehen möchte. Wir sind Hannover, wir sind NICHT Hagida – Hass gegen Islam deutscher Ausprägung – oder so ähnlich.

Ich sprang also um 17 Uhr in eine Bahn vor meiner Behörde, fuhr in die Innenstadt, wunderte mich über die vielen jungen und auch älteren Menschen, die um die Zeit unterwegs waren – und die fast alle mit mir am Kröpcke (unserem zentralen Bahnhalt) ausstiegen. Als ich dann auf die Hauptroute zum Versammlungsort einschwenkte, sah ich, dass sie NICHT zum Versammlungsort von Hagida wollten – sondern wie ich, die Hannoversche Marktkirche anstrebten. Kirchen waren schon 1989 der Zuflucht derjenigen, die sich nicht als schweigende Mehrheit vereinnahmen lassen wollten. Die Hannoversche Marktkirche konnte ich nicht betreten, ein großes Plakat wurde hochgehalten: Kirche überfüllt. Immerhin hatte ich es bis zum Eingangsportal geschafft. Vom multireligiösen Gebet bekam ich nichts mit, aber ich sah die Hannoveraner um mich:

Alte (sicher schon bis 80) und Junge (wenige Wochen alt), Frauen und Männer, Studenten, Gewerkschafter (davon viele, die hatten das organisiert), Rentner und Beamte, Atheisten, Christen, Juden und Muslime (rein alphabetische Reihenfolge, keine Wertung), Deutsche und Ausländer, die kaum deutsch sprachen, verschiedenste Hautfarben, Singles wie ich, die allein dorthin kamen, Paare, verheiratet oder auch nicht, Familien (in den verschiedensten Formen), Witwer und Witwen, Freunde. Geistliche, Weltliche, Laute und Schweigende, Plakatträger und die, die einfach nur ihre Fäuste in den Taschen geballt hatten.

Es dauerte gefühlte Ewigkeiten, bis sich die Massen zum Versammlungsplatz in Bewegung setzten. Dort bekam ich nur noch die letzten Redner mit – aber das machte nichts. Das Zeichen war gesetzt.

Wir haben sie im Verhältnis von (nicht mal) 1 zu 85 übertroffen:

Hagida<200, Gegendemonstranten ungefähr 17.000. Zur gleichen Zeit gingen im wesentlich größeren München 20.000 auf die Straße mit dem gleichen Ziel:

Toleranz und Integration, nicht Ausgrenzung und Monokultur. Auch in Leipzig wurden die ca. 1000 von Demagogen verhetzten und die Rechtsextremen bei weitem durch die Gegendemonstranten (30000) übertroffen. Nur Dresden … was soll ich sagen? Mehr als sonst, sagen die beim Heute-Journal. Dresden, du lernst es nimmer. Bleibst ein Außer-Raum-Dresden …

 

 

5 Antworten zu “Bunt

  1. Dresden: eine schoene und schwierige Stadt. Sie war die monokulturelle Hauptstadt der alten DDR. Vielleicht ist sie so geblieben.
    Gruss
    Sid

  2. Nach dem was an diesem WE los war bekommt Pegida am Montag leider noch mehr Zulauf denke ich .
    Die Spirale geht weiter .
    Alles schaukelt sich hoch
    Hier habe ich einige Artikel zusammengetragen
    kuniscouch.xobor.de
    Die Anschläge von Paris gegen die Satierezeitung Charlie Hebdo
    Wer mag darf gerne vorbei schaun

    • Ja, aber ich sag es nochmal und ich sag es laut: Ich lasse mir weder von PEGIDA mein schönes, weltoffenes Hannoer versauern, noch lasse ich mir von Islamisten vorschreiben, was hier in diesem säkularen Staat für Regeln gelten!

  3. Das Stimmt ich lasse es mir ebenfalls nicht vorschreiben
    Der Postillion hat auch etwas nettes dazu geschrieben
    Die Feder ist noch immer mächtiger als das Schwert
    Das wirde in dieser Woche von Charlie Hebdo bewiesen
    Die Karikaturen haben die halbe islamische Welt auf die Barrikaden gebracht .
    Hier in Deutschland gelten Regeln ( Grundgesetz/ Vernummungsverbot ) an die sich jeder im Land halten sollte
    auch Muslime .
    Wenn ich in einem anderen Land zu Gast bin oder dort lebe halte ich mich auch an deren Regeln

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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