Gemahlener Pfeffer

Ich fürchrte, gestern habe ich keinen Pfeffer aus der Mühle gehabt, sondern vorgemahlenen Pfeffer, der einen Teil seiner Schärfe bereits verloren hat.

Gestern war Kabarett-Abend. Ich bin mit meinem kulturellen Begleiter ins Theater am Aegi gegangen, dort gastierte die Leipziger Pfeffermühle. Ich habe die Truppe bereits einmal gesehen – als sie in München bei der Lach- und Schießgesellschaft gastierten. Damals wie heute habe ich mich trefflich amüsiert. Aber es gab einen gewaltigen Unterschied.

Damals war der Spaß wesentlich bissiger, der Pfeffer war sozusagen grob gemahlen und hin und wieder wurde man mit einem ziemlich scharfen Stück konfrontiert.

Ich bin eigentlich ein großer Fan von ostdeutschen Kabarettisten, die wesentlich pointierter und schärfer zu Gesellschafts- und Politik-Kritik ausholen. Leider wurde ich darin gestern enttäuscht. Man kann sicher viel über die Bundeswehr lästern und die neue Verteidigungsministerin hat mit ihrer ERSTEN Forderung, nach mehr Kindertagesstätten, sicher Humorstürme ausgelöst. Nur – das ist schon lange her. Seither ist bei der Truppe einiges andere daneben gegangen. Immer noch wird aber vor allem auf Frau von der Leyens Familienfreundlichkeit herumgeritten. Als Quasi-Ex-Insider weiß ich, dass die Ministerin dabei vor allem durch in diesem Fall die Einseitigkeit des Presse-Interesses schlechter weg kommt als sie es verdient. Oh, nicht, dass Mutti Uschi nicht Kritik verdienen würde. Ob die Familienfreundlichkeit der Truppe wirklich als erste Maßnahme sein musste .. darüber kann man trefflich streiten. Aber Frau von der Leyen ist nun schon ein paar Tage im Amt – und es gab wesentlich größere Baustellen, die nur nicht so witzträchtig sind. Von Kabarett erwarte ich aber mehr als den Easy-Witz, der ist der Comedy vorbehalten.

Angela musste gleich mindestens dreimal im Programm herhalten -nun, das könnte man doch als Politik-Kabarett sehen? Nein, leider nicht. Es erreichte nicht die Tiefe, nicht die scharfe Überspitzung, nicht den BISS, den ich von politischem Kabarett erwarte. Stattdessen wurde ihre wohlbekannte Raute imitiert (und das auch noch schlecht), wurde darüber gelästert, dass alle in der Kritik stehenden Politiker, denen sie ihr VOLLSTES VERTRAUEN aussprach, nach wenigen Tagen abgesägt waren (Warum eigentlich hat Frau Merkel niemals Herrn Putin ihres vollsten Vertrauens versichert? – Aber nicht mal diese Frage wurde gestellt.)

Generell wurde in dem Programm ein Thema wiederholt und wiederholt – Ja, Deutschland hat ein Generationenproblem. Aber wie sieht es denn mit anderen Sachen aus? TTIP irgendjemand? Aber nein, dazu hätte man sich ja damit auseinandersetzen müssen. Stattdessen wurde ziemlich platte Anti-Reichtum-Prop gemacht. Jemand hat Geld? Dann ist er automatisch der Böse. Das war zu billig. Und ich bin nicht mal selber reich. Also eigentlich Zielpublikum für Neidpolemik.

Dass nicht mal eine winzige Zugabe den Cartoonisten von Charlie Hebdo gewidmet wurde, hat mich auch ein wenig enttäuscht – schließlich lebt man vom selben Zweig: Gesellschaftskritik.

Alles in allem, ja, ich habe mich zwei Stunden amüsiert – aber ich war enttäuscht. Wenn man politisches Kabarett liebt, war dieser Abend um Längen zu flach. Wenn man nur ein paar schnelle, billige Lacher wollte, haben die fünf (zwei Musiker und ein Kabarettisten-Trio) geliefert.

Diese fünf waren jedenfalls nicht Charlie Hebdo.

Von fünf Narrenkappen gibt es daher hier nur zwei. Ein Teil des Abzugs davon auch, weil ich weiß, dass sie mal besser konnten. Ist aber schon ca. 20 Jahre her, dass ich sie in anderer Besetzung gesehen habe.

 

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