Gelesen

Ich habe es endlich mal wieder geschafft, ein Buch zu lesen. Eine Kurzgeschichtensammlung von Georgette Heyer: Pistols for two.

Und ich habe dabei herausgefunden, warum ich niemals einen Roman fertig bringen werde. Manche Leute sind für die Kurzform geschaffen, andere sind Langstreckenläufer.

Georgette Heyer schreibt wirklich reizende Regency-romances-Romane – aber bei den Kurzgeschichten überhastet sie immer wieder die Eheversprechen (mit denen eine Romanze ja enden muss). Wieviele Männer würden an dem Tag, an dem sie ein Mädel kennen lernen, um dessen Hand anhalten? Eben … 1 in a million, wie man so schon sagt, also derzeit etwa 7000. Ich habe noch von keinem gehört. Und ich bin schon 46 und höre viel.

Trotzdem habe ich mich amüsiert – nur fühlte mich immer wieder um die Pointe betrogen. Es war einfach zu viel Entwicklung in zu wenig Worten.

Was Mrs. Heyer wunderbar konnte, war diverse Szenarien ersinnen – mit aktiven oder auch passiveren Ladies, mit armen Schluckern und reichen Mädels, mit älterem Paar (jenseits von 30), jungen Leuten. Vermisst habe ich einige der herrlichen Nebenfiguren, die ich in den Romane so schätzen gelernt habe. Aber bei Kurzgeschichten ist der Platz dafür nicht da.

Alles in allem – manche Autoren sind Langtextschreiber. Manche sind Textsprinter, die die Kurzgeschichtenstruktur beherrschen und genau wissen, wo sie Tempo aufnehmen müssen und wie ein Grande Finale aufzubauen ist. Ich würde nicht sagen, dass Mrs. Heyers Kurzgeschichten Sprinterfähigkeiten zeigen.

Manche Schreiberlinge, wie ich, machen gelegentlich einen gemütlichen kleinen Spaziergang, völlig ohne Ambitionen. Diese nun können getröstet sein, nicht jeder Autor beherrscht jede Form des Textes. Sonst würden wir alle Shakespearsche Sonette schreiben.

 

2 Antworten zu “Gelesen

  1. Kurzgeschichten sind in der Tat eine wahre Kunst. Manche schreiben über nichts, weil das hyperintelligent rüber kommen soll, und andere packen einen halben Roman auf 10 Seiten, wie sie zu faul sind, einen echten Roman zu schreiben (das wäre mein persönlicher Ansatz :)). Und manche schreiben einfach geile Kurzgeschichten. Und Hemingway bleibt unschlagbar. Stimmt nicht, Kipling ist geiler. Und es gibt viele gute Sci-Fi-Kurzgeschichten, weil sich das Genre so für eignet.

    • Es gibt auch sehr gute Krimi-Kurzgeschichten. Nur für die Regency-Romances hielt ich diese Textform nicht so geeignet. Stell dir mal Pride and Prejudice als Kurzgeschichte vor …

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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