Sind die Fetten die neuen „Sternträger“ in Amerika?

Aus den USA kam eine Meldung herein:

http://www.nbcnews.com/health/diet-fitness/cdc-fueling-anti-fat-bias-workplaces-n237171

Die CDC (Centers of Disease Control and Prevention) bietet für Arbeitgeber ein Programm an, das schon nicht mehr subtil benannt ist – LEAN works – fette Leute also nicht? Was macht dieses Programm? Es berechnet die angeblichen Kosten, die ein fetter Kollege mehr kostet als ein „so viel gesünderer“ schlanker Kollege.

Mal abgesehen davon, dass zur Berechnung nur der BMI herangezogen wird, und sorry, aber der erfasst nicht, worin die Körpermasse besteht, ob in Fett oder in Muskelmasse – und damit ist er nicht wirklich aussagekräftig. Ob wir Fetten wirklich soviel mehr Kosten verursachen ist leider immer noch theoretisch.

Achtung, hier kommt ANEKDOTE statt Studie:

Ich habe drei superschlanke weibliche Bekannte, die alle drei Rückenbeschwerden haben. Ein schlanker Kollege hatte einen Bandscheibenvorfall mit noch nicht mal 40.

Mein BMI ist über 40.

Ich war in den vergangenen 12 Monaten zwei- oder dreimal daheim mit fiebrigen Erkältungen .. einen Tag, drei Tage, einmal mit Krankschreibung eine Woche. Der Bandscheibenvorfallkollege war mehr Tage wegen des Bandscheibenvorfalls  daheim, er ist ein eifriger Läufer. Und die Damen mit Rückenbeschwerden? Eine war mehrere Wochen zur Kur. Von den anderen beiden sind solche Absichten noch nicht bekannt. Aber sie quälen sich.

Habe ich denn wenigstens Kniebeschwerden? Seit meinem Autounfall mit 19, manchmal … Ich bin jetzt 46. Da bleibt es nicht ganz aus. Habe ich Hüftbeschwerden? Nö. Habe ich Krebs? Bisher auch nicht. Zu hohen Blutdruck? Nein. Zu hohes Cholesterin? Nee. ICH MUSS DOCH EINE DER TYPISCHEN FETTKRANKHEITEN HABEN! – NON, mesdames et messieurs … Mein Glaukom ist nicht gewichtsabhängig, meine Hausstauballergie ebenfalls nicht.

Wieso soll also mein BMI in irgendeiner Weise vorher sagen können, was für Kosten ich verursache? Und wenn sich das mit Mitte 40 noch nicht andeutet …

Ende der Anekdote.

Das Resultat von LEAN works wird sein, dass Chefs ihre Untergebenen A – zu selbstzerstörerischem Verhalten (eine Diät zerstört Teile von mir!) anhalten, das aber zu 95 % nicht funktioniert. Darüber gibt es Studien. Daraus ergibt sich B – dass die Leute in die Depression getrieben werden – schließlich sagt ja jeder, der Fehler liegt bei ihnen, wenn es nicht funktioniert. Dann verursachen sie auch die höheren Kosten.

Und dann werden sie C – gefeuert.

Lustigerweise hat die CDC den Zusammenhang von Depression und Fettsucht erkannt (Google-Suche von CDC und obesity ergab mehrere Treffer, u.a. den unten):

And now a new Centers for Disease Control and Prevention (CDC) report suggests that being obese may increase patients‘ risk of depression, and vice versa.

Aber – leider hat sie nicht gesehen, dass das Verhalten von SCHULD-zuweisung nur weiter dazu beiträgt, dass Leute depressiv sind. Und das diverse Anti-Depressiva das Gewicht erhöhen, ist auch erwiesen.

Und selbst die oben zitierte Studie gibt zu, dass man bei den Patienten, bei denen man die Daten erhoben hat, nicht sagen kann, was zuerst da war.

Aber man kann ja ganz sicher den Patienten dafür BESCHULDIGEN, nicht den Druck der Gesellschaft, endlich abzunehmen, was in 95 % der Fälle nicht funktioniert (oh, man verliert Gewicht, moderat – aber nicht für länger als 2 Jahre),  … und wenn man das kann, kann man auch verlangen, dass so jemand nicht einen guten Arbeitsplatz den Schlanken wegnimmt, nicht wahr? Von was der Fette Mensch leben soll? Na, von seinen Fettreserven, um es mal ganz platt zu sagen, nicht wahr?

Fazit: Dicke Leute sollten erst abnehmen, dann dürfen sie leben, nicht wahr? Sind wir echt schon wieder so weit?

 

2 Antworten zu “Sind die Fetten die neuen „Sternträger“ in Amerika?

  1. Based on your links, I am liking this post. I sure wish I could read German, Fran!

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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