Besuch

So stand es also gesagt, am Telefon, dass da kommen würde Besuch, hier zu Hannover, und es machte sich auf eine liebe Verwandte, mit dem Fernbus zu kommen, ohne Zählung in eine Stadt, in der sie nicht geboren wurde.

Und als da kam der heißeste Tag des Jahres, kam sie an die Bushaltestelle vor dem Bahnhof, wo der verstorbene Landesfürst immer noch von seinem treuen Volk in Eisen gegossen reitet. Und ganz ohne Esel und Reittier kam sie.

Was aber macht man, wenn das Quecksilber im Thermometer nahezu verdunstet und die Schwüle die Schwalben zu Fußgängern macht?

Einkaufen. Lebensmittel. Vor allem Frisches, Kühles, Flüssiges.

Und dann? Hinlegen und trocknen. Nur nicht bewegen. Nicht mal zur Eisdiele. Denken ist schon anstrengend. Und die Stubentiger mussten ja noch gezähmt werden. Dieses mal hat sich sogar der Kater sozial gezeigt. Wie man aber dann getrocknet war, wurde es nass – nämlich vom Himmel kam eine Flut, die die Wege unpassierbar machte. Also weitermachen mit dem Nichtstun, von dem man sowieso nicht weiß, wann man damit fertig ist. Und weil es der 24. war, hörte man fein die Glocke(n) klingeln …

Und am näxten Tag – silbertönte es wieder. Im Flur trappte auf und ab ein komischer Gesell, der schwere Lasten schleppte, mit weißem Haar und Bart. Jede Bewegung war ein feines Glockenklingeln zu hören.

Ich hab den komischen Kauz gebeten, nachdem ich über eine Stunde nur noch Klingeln im Ohr hatte, doch bitte die Glocke abzunehmen und bekam zur Antwort, das würde er erst dann machen, wenn er ins Grab fiele. Ich war versucht, aber ich bin ja zu gut erzogen – und mein Besuch war ohnehin zu sensibel.

Seitdem haben „Jingle Bells“, „Süßer die Glocken nie klingen“ und „Kling, Glöckchen, klingeling“ einen völlig anderen Klang.

Mit meinem geplanten Besuch bin ich dann einen Tag später vor dem jahreszeitlich etwas verirrten Lastenträger geflohen.

Und sie kamen die Fische in den Aquarien zu sehen, wie sie da ruhten im Sand und schwammen an den Scheiben. So ein Aquarienbesuch ist ja sehr entspannend – auch wenn größere Haie sicher mehr Befriedigung geliefert hätten … wenn ich an Glöckchen dachte.

Anschließend flohen wir vor den Glocken noch durch die Hitze des Botanischen Gartens, ganz ohne Lasttier – und ruhten an einem stillen, moorigen Weiher, wo wir winzige schwarze Wasserhühner piepsen hörten und manchmal auch durch’s Schilf sahen. Auf dem Rückweg kamen wir noch an den unhimmlischen Heerscharen der geduldigen Abendkassennutzer des Kleinen Fests vorbei – und fragten uns, wer von ihnen wohl an den Torwächtern des Paradieses vorbeikam …

Heute dann stellte sich der sonst so zuverlässige Bus zurück in die Heimat als doch entsprechend benannt heraus – FlixBus – heute wie verflixt nochmal. Es stand ein Bus an der Station: Das war der in die falsche Richtung. Es kam ein Ersatz-Flix-Bus – der nur bis Osnabrück wollte, aber das ersehnte Ziel im Fenster führte. Und es kam ein Flix-Bus, der behauptete, er sei nicht der Bus um 18:55 – sondern der um 19:15 Uhr …

So musste eine Alternative gefunden werden – glücklicherweise bedienen mehr Anbieter die Strecke. Und das „Help-Desk“ behauptete noch, der Bus sei „pünktlich losgefahren“ …

Da braut sich das nächste Gewitter zusammen. Aber wenn es Alternativen gibt, muss man diesen verflixten Anbieter ja nicht mehr wählen!

4 Antworten zu “Besuch

  1. „auch wenn größere Haie sicher mehr Befriedigung geliefert hätten“ Hehehe.

    • Danke. Ich liebe diese Stadt und nehme ihre spleenigen Bewohner als nicht enden wollende Quelle für Blogposts – oft mit Erheiterung verbunden – und seien wir mal ehrlich: Lachen ist doch gesund und ich sollte Silber(g)löckchen dankbar sein.

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