Nachruf auf einen Mitbewohner, den ich nicht mal wirklich kannte

Der dritte Stock hat final zurück geschlagen.

Die Mehrheit der Wohnungen in Hannover werden schon von Singles bewohnt. Alternden Singles. Es wird immer wieder vorkommen, dass jemand in seiner Wohnung stirbt.

Solange dieser Mensch (noch) im Arbeitsprozess steht, ist die Chance groß, dass man diesen Menschen findet. Aber Arbeitslose? Kranke und Behinderte? Senioren? Auch diese Gruppen sind unter den Singles vertreten. Auch wenn man sie eher „allein lebend“ nennt. Eine weitere Herausforderung einer alternden, sich immer weniger binden wollenden Gesellschaft.

Ein Mitbewohner verstarb, heute hat man ihn tot in seiner Wohnung aufgefunden. Vor einigen Jahren zugezogen, nachdem die nette Familie mit Migrationshintergrund eine familiengerechtere Wohnung fand (zwei Kinder im dritten Stock in einer Drei-Zimmer-Wohnung wird irgendwann zu eng), hatte dieser Mitbewohner in den paar Jahren seither nicht spektakulär auf sich aufmerksam gemacht.

Was, außer seinem Namen, den ich natürlich nicht ins Blog schreibe, weiß ich von ihm? Er wohnte vorher in Berlin, war ein paar „Tage“ älter als ich, hat geraucht und war zu Small-Talk an der Bushaltestelle fähig. Außerdem hat er hin und wieder mal Päckchen angenommen und auch welche bekommen. Irgendwas hat er gesammelt … aber ich weiß nicht mehr genau, was. Das „Persönlichste“, das ich weiß, ist wohl, dass er wie ich ein Postcrossing-Mitglied ist/war …

Über seinen Tod? Weiß ich nichts. Ich nehme an, sein Arbeitgeber hat ihn vermisst. Im Briefkasten war jedenfalls noch nicht Überfüllung angesagt – nicht, dass dies hier jemanden stören würde. Mein Briefkasten füllte sich letzte Woche bis Freitag Morgen – und kein Mensch hat mal geklingelt.

Ich habe bei Postcrossing mal eine Info hinterlassen. Kann ja nicht schaden. Dort wird man sicher mal eine Mail an den Nutzer schicken – um zu überprüfen, ob ich die Wahrheit gesagt habe. Könnte ja sonst jede/r kommen. Nun jedenfalls ist Herr *** an einem Ort, von dem es keine Postkarten zu senden gibt …

 

 

 

 

 

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