Deutsche Ikonen – Älterwerden

Gestern saß ich mit einer langjährigen Freundin zusammen (eine der drei sein, mit denen ich am längsten übers Leben, die Liebe und den ganzen Rest lästere – eine echte Lästerschwester eben). Und wir unterhielten uns so ein wenig über das, was in Deutschland seit den 60ern schleichend mit uns passiert, über das Älterwerden.

Ihre Einstellung dazu: Sie hasst es. Sie ist beinahe gleich alt (oder jung, ist halt doch relativ). Sie will es nicht wahr haben, dass es uns alle trifft – und es fällt ihr schwer, diesen Prozess als langsam und schleichend anzusehen (nur weil man älter wird, ist man doch nicht sofort alt).

Ein Opfer des medialen Jugendwahns.

Ich bin bei den Großeltern (und ihren Geschwistern und Freunden) groß geworden. Ich kenne den Umgang mit Alterszipperlein, seit ich ein Kleinkind bin – und ich nehme es halt, weil es ist, wie es ist.

Deutschland an sich wird auch älter. Die politischen Prozesse sind zu Ritualen verkommen, von den Wahlen bis zu den Tarifverhandlungen mit ihren Warnstreiks. Die Unbekümmertheit der 70er und 80er, als man sich aus den „Kinderschuhen“ der Nachkriegszeit mit einer heftigen Pubertät in den 60ern befreit hatte, ist einer allgemeinen, durch nichts zu rechtfertigenden Zukunftsangst gewichen (verbunden mit dem Wunsch, manches möge doch sein wie früher) und ein wenig mehr als in den 70ern sehnt sich Deutschland wieder die „gute alte Zeit“ herbei, in der noch jede/r ihre/seine klare Rolle hatte, „keine Experimente“ ein Wahlkampfmotto war, das heute zur Lebenseinstellung geworden ist (ja, ich gestehe, auch ich mag nur noch kulinarische Experimente – oder manchmal musikalische, obwohl – manche Experimente bieten sich einfach nicht mehr mit einem gewissen Alter).

Deutschland hat das Alter inzwischen akzeptiert – hat sich sein Kissen auf die Fensterbank (äh, Grenze) gelegt und lästert zynisch über die Nachbarn. (Hallo liebe Schweizer, Griechen und Franzosen.) Unsere Finanzen sind uns wichtiger als in den unbekümmerten Jahren. Echte Ziele haben wir nicht mehr oder verfolgen sie höchst halbherzig (ja, ich rede von ihnen, Herr Gabriel und ihrer Wende bei der Energiewende). Wir arrangieren uns mit den Gegebenheiten.

Ist Altern an sich negativ? Wer sich vor dem Altern fürchtet, fürchtet die Veränderungen. Eigentlich ein klassisches Anzeichen von Alter. Ob meine Haut altert, ist dabei doch nicht so wichtig, wichtig ist, dass meine Einstellungen nicht veralten. Und die deutsche Gesellschaft sollte sich auch ein wenig mehr Mut gönnen.

Es bleibt beim dem alten Schnack: Älter werden ist nichts für Feiglinge!

2 Antworten zu “Deutsche Ikonen – Älterwerden

  1. Schwester Ingeborg

    Moment…seit wann sind Griechen unsere Nachbarn. Habe ich da was verpasst??? 😉

    • Naja, sie wohnen halt „in der Nachbarschaft“ oder neu-Englisch „in the ‚hood“ – im Gegensatz zu z.B. den Südamerikanern. Aber du hast natürlich recht, Lästerschweinchen, sie grenzen nicht direkt an dieses Land. Und das wollen wir auch nicht ändern, nein, nein! Da können die Lautsprecher in Athen noch soviele Nazi-Vergleiche anstellen. Da sind keine Pläne zu vorhanden.

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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