Monatsarchiv: Juli 2013

Speckmäntel sind gerade aus

Heute hatten wir in unserer liebenswerten Kochgruppe von vier langjährig miteinander befreundeten Leute ein kleines Mistverständnis:

Es sollte Forelle geben, gebacken, im Speckmantel. Da es aber gerade Sommer ist, hatte der Einkäufer nur genügend Speck für einen Speckbolero für jeden Fisch besorgt.

Was haben wir gelernt:

1. Männliche Linkshänder sollten keine Einkaufslisten schreiben, sondern tippen (im Rezept waren 12 Streifen Bacon angegeben, 12 S stand wohl auf dem EInkaufszettel – und wurde für 125 – Gramm – gehalten)

2. Auch Speckmäntel sind der Mode und der Saison unterworfen (ja, wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung)

3. Freundschaften überleben alles – auch zu wenig Speck (das allerdings nur bei sehr guten Freunden 😉

Nun bin ich gespannt, ob ich in 14 Tagen noch einen Einkaufsfehler draufsetzen kann. Vielleicht kaufe ich statt Hähnchen Fähnchen? 😉 Möglich wäre es, auch meine Handschrift ist nicht die beste.

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Kleines Fest

Eine beliebte Hannoversche Institution ist das Kleine Fest im Großen Garten.

Und wenn das Wetter nicht zu kalt und nass ist, sind wir auch immer wieder gern dabei. Weil diese beliebte Open-Air-Veranstaltung schon im März verlost wird (da wird nicht ausgelost, wer umsonst hindarf, sondern wer überhaupt für ein Ticket bezahlen darf) – und da vom Wetter noch nichts bekannt ist, haben wir uns als Stadtbewohner darauf verlegt, „spontan“, je nach Wetterlage, die Abendkasse zu nutzen. Das heißt, früh anstellen.

Dieses Jahr wäre auch „nicht ganz so früh“ noch drin gewesen – war den Leuten entweder zu kühl, oder es war in den Sommerferien. Nass war es jedenfalls nicht (ok, außer bei einem bestimmten Spektakel) und kühl wurde es erst so kurz nach 21 Uhr.

Wir saßen daher seit halb drei in der Schlange, nicht die ersten, aber auch nicht so weit hinten, dass man Angst haben musste, dass die 200 Abendkassen-Karten nicht hinreichen, und genoßen den nicht so heißen, aber doch sommerlichen Tag. Um halb sechs machte die Abendkasse auf (kurz vorher, um ehrlich zu sein) – und ich kaufte mir ein 28 Euro-Ticket (weil ich einfach keinen Studentenausweis mehr bekomme, obwohl ich doch ein Studium generale außerhalb jeder Uni mache – man nennt es auch Leben).

Dann kaufte ich noch für 2,50 ein Programm mit Plan – sonst ist man nämlich verloren. Und einen Stapel Postkarten (erwähnte ich schon mal, dass ich ein Postcrossing-Opfer bin?) … aber das war Privatvergnügen.

Mit Öffnung des Tores um ca. 17:45 bekam man Zugang zur Festwiese, wo ein Gitarren-Violin-Duo hervorragende Tafelmusik zum allgemeinen Picknicken machte. Decke ausgebreitet, Herrlichkeiten aus drei verschiedenen Rucksäcken darauf verteilt, und den trockenen, warmen, aber noch grünen und saftigen Rasen belagert.

Dann wurden Pläne geschmiedet – welche Acts, die wir uns vorher auf der Kleinen-Fest-Seite ausgeguckt hatten, wir uns ansehen wollten, in welchen Blöcken diese Aufführungen stattfanden und wo wir diese Acts fanden. Dann bekam ich unseren Ablaufplan in die Hand gedrückt, führte uns (auch mal in die Irre) zu den Veranstaltungsorten und wir genossen alles. Einiges war nicht ganz die gewohnte Qualität, aber alles in allem war die Atmosphäre wieder herrlich, die Laune gut, das Feuerwerk zum Abschluss sehenswert, die Walkacts bunt und alles war anstrengend und ich war redlich müde am Ende des Abends.

Jetzt wollt Ihr sehen, was wir gesehen haben? Gut, zwei Beispiele (eigene Fotos):

Emmy und Willnowsky, ja, bekannt aus dem Fernsehen

Emmy und Willnowsky, ja, bekannt aus dem Fernsehen

Puppenspieler von Trukitrek in einer Krimikomödie

Puppenspieler von Trukitrek in einer Krimikomödie

Außerdem sahen wir Jongleure auf dem Trampolin, Akrobaten am Trapez, eine Ruhrgebietskabarettistin, die sich übers Altern lustig machte, die anderen sahen eine Show, in der ein „englischer Lord“ zu einer Brunnenfigur mutierte (ich war leider zu klein, um über den 1,80 Mann vor mir hinweg zu sehen und reservierte gute Plätze für Trapezshow), akrobatische Komödianten u.a. mit dem langsamsten Duell der Bühnengeschichte und Einradartisten, die aber mehr Comedy daraus machten.

Da ich weder in den drei Stunden Wartezeit zum Lesen kam (ich wartete nicht allein), noch davor mich auf das Lesen konzentrieren konnte, habe ich gestern natürlich wieder kein Buch geschafft. Soviel dazu, ich würde ein Buch am Tag schaffen … Aber ich lese, soviel wie geht!

Alter schlägt zu

Nachdem sich zuerst die Seniorenberatung  bei mir gemeldet hatte und dann auch noch meine Krankenversicherung auf den Trichter kam, dass es bei mir bald Organe zu holen gäbe, habe ich heute zwei weitere Hinweise darauf gefunden, dass ich nicht mehr 18 bin und langsam Vorkehrungen für mein Ableben treffen sollte – in meinem Briefkasten:

Und das an einem Tag ...

Und das an einem Tag …

Ich werde wohl besser mal Kontakt zu einem Bestatter aufnehmen und mal anfragen, was ein Urnengrab kostet und wieviel ich für eine mir zusagende Stele hinblättern müsste!

Cheng – ein Fehlkauf

Ich habe einen hochgepriesenen Krimi angefangen, dachte, was Leichtes, Unterhaltsames für zwischendurch kann nicht schaden, weil ich nebenher „Denken wie ein Neandertaler“ lese.

Ich werfe das Buch, gebraucht gekauft, ins Altpapier. 30 Seiten von 261 habe ich gelesen, und es ist unerträglich. Dieser Schwafelton … Über Avantgarde und Wissenschaft und Frauenprobleme mit der Sicht auf sich selbst hat er schon geschrieben – den Kriminalfall dagegen nur kurz angedeutet … Der Autor ist auf nervtötende Art langweilig.

Komm zu Potte. Es ist nicht wirklich lustig, aus der Sicht eines Opfers einen Krimi lesen – weil das Opfer ja schließlich bald ablebt. Und mit der Psychiater-Schiene hatte ich es bei Krimis auch noch nicht wirklich. Soviele Daumen, wie ich nach unten schwenken möchte, habe ich gar nicht.

Sollte man schnellstens ins Altpapier entsorgen und die Bilder aus dem Kopf verbannen ist noch ein mildes Urteil. Bin ich froh, dass ich diesen Roman gebraucht gekauft habe. Immer noch Geld rausgeworfen, aber wenigstens hat der Autor nix mehr davon gehabt! 😛

Casper the commuting cat

Eine wahre Katzengeschichte, mit einem traurigen Ende. Ein bereits in die Jahre gekommener Kater fährt mit dem 3er Bus durch Plymouth und verursacht damit einen Riesenpresserummel.
Auf seinem Weg zur Bushaltestelle wird er eines Tages von einem Taxi überfahren. Sein Frauchen schreibt die Geschichte von Casper auf, soweit sie sie kennt, denn Casper war eine erwachsene Tierschutzkatze, als sie ihn zu sich holte.
Sentimental? Ganz sicher. Schön? Zum Schluchzen.
MUSS MAN LESEN? Wenn man die vielen Abschiedsszenen ertragen kann und Katzen mag, ja. Aber bitte nicht in der Öffentlichkeit. Taschentuchfaktor – hoch!

(Deutscher Titel: Casper – ein Kater geht auf Tour)

An ideal husband

I just read a play from Oscar Wilde, „An ideal husband“ – A society couple gets blackmailed by a femme fatale. She uses a letter the man has written in his youth and in which he offered some scandalous financial service to an other man – which made him his fortune. Now he is married to a very moral wife, whom he loves dearly. He would not only loose his career, but also the love of his wife, if that letter was to be presented to public.

The blackmailer wants him to change the opinion about another financial affair so that she and her friends could make money from that. He agrees, his wife makes him withrdraw his agreement – and a friend of his sees to it, that all comes out even in the end.

The fast paced intro in that play, where guests of an evening society enjoy witty remarks and quick retorts set the tone of this play.

Today it would be boulevard theatre. Of the best kind.

 

Gartenschau und Sommer in Maine

Photos ergänze ich später, aber erstmal ein kleine Bericht über die Internationale Gartenschau in Hamburg (einer der Vorzüge von Hannover ist es, dass man auch mal schnell irgendwoanders hinkommt, wenn man möchte).

Ich bin mit zwei Freunden gefahren, wir haben den sündhaft teuren Eintritt mit dem Niedersachsenticket für drei querfinanziert (wenn man für 5 Euro pro Fahrt pro Kopf unterwegs ist, ist das schon ziemlich günstig) und sind unfallfrei mit der S-Bahn in Wilhelmsburg angelandet. Und mit uns die Massen, die das wunderschöne Wetter auch für einen Besuch nutzen wollten.

Vorneweg gab es diverse Container mit Infos zu Pflanzen wie Baumwolle, Tee, Maulbeerbaum (und damit Seidengewinnung) und Bambus – und ich dachte immer, dass ich alles über Tee wüsste, aber ich zeige Euch mit Foto 1, dass das doch nicht der Fall war.

Tee wird nicht mehr fermentiert

Tee wird nicht mehr fermentiert

Anschließend gingen wir ausgiebig den Rosenboulevard ab. Was nicht nur daran lag, dass meine Begleitung die Rosen alle auf ihren Geruch testen wollte, auch ich fand die Vielzahl an Blütenarten, Farben und Düften unwiderstehlich.

Rosen galore

Rosen galore

Auch wenn ich zugeben muss, dass eine „blau-violette“ Rose ein wenig ungesund aussieht. Nein, davon existiert kein Foto!

Dort, zwischen den Rosen machten wir dann ein kleines Päuschen ehe wir uns dem „Rest des Geländes“ näherten. Staudenbeete, eine Brücke über eine Schnellstraße, die sich mir nicht angenehm in Erinnerung brachte und gegen Mittag dann eine Wiese mit Restaurant am Ende und Sitzgelegenheiten unter Bäumen. Schattenplätze waren rar, aber wir fanden noch welche und es gab eine ausgiebige Mittagspause.

Anschließend sahen wir uns die Teile der Ausstellung an, die mehr mit Installation zu tun hatten, die Multi-Kulti-Gärten, die Wasserwelten,

Installation aus blauen Steinen und blanken Blechbüchsen

Installation aus blauen Steinen und blanken Blechbüchsen

die Bewegungswelten. Religiös-inspirierte Welten, moderne Grabgestaltung (und ich weiß jetzt, was für eine Stele ich gern auf meinem Urnengrab hätte – endlich habe ich mein Grabmonument gefunden – sollte nach dem Pflegeheim noch Geld für sowas da sein).

Nach dem Rosenboulevard hat mich am meisten beeindruckt die Kleingarrten-Ausstellung, in der sieben verschiedene Kleingartentypen vorgestellt wurden.

Und der Hexengarten – in dem es Giftpflanzen noch und nöcher gab. Sollte sich die Anzahl der Leute, die mich gern haben können, durch unerklärliche Todesfälle verringern – nun ..

*NUR EIN SCHERZ*

Alles in allem war es ein schöner Ausflug, LSF 50 + und meinem Hut sei Dank auch ohne Sonnenbrand.

Natürlich hatte ich gestern dann keine Zeit zum Lesen. Im Zug unterhielt ich mich mit meiner Begleitung – auf der Rückfahrt wäre ich auch zu müde gewesen.

Ich habe aber das Buch gewechselt, die Vampire Vampire sein lassen – und mich dem Roman Sommer in Maine heute gewidmet.

Familiengeschichte(n) – ein Sommer in Maine, drei Generationen, eine Vierte im Werden. Die „Patriarchin“ eine Katholikin der schlimmsten Sorte, die Töchter Rebellinnen, der Sohn übernahm den Wertekanon – für Männer ist die Katholische Kirche ja eher vorteilhaft.

Die nächste Generation hat sich von der Vormacht der Religion abgewandt, die perfekte Schwiegertochter kämpft damit, dass ihr Sohn wegen Pornos auf dem Dienstrechner gefeuert wurde, ihre Tochter eine Lesbe ist.

Die eine Rebellin ist wie die Mutter alkoholkrank, nur das sie seit 20 Jahren trocken ist, deren Tochter hat einem Hallodri ein Kind anhängen wollen – und der hat sie aus seinem Leben geworfen, als sie auch nur mit ihm zusammen ziehen wollte – und nun ist sie schwanger.

Die andere Tochter hat sich nie was aus der Meinung der Familie gemacht – hat einen Sohn, der am Theater ist – und lebt ihr Leben ohne größere Dramen.

Noch weiß keiner von der Schwangerschaft, noch ist die lesbische Enkelin ein Geheimnis – und dass die Patriarchin (und Patriarchin ist das richtige Wort, da sich die alte Dame nicht mütterlich verhält) das Haus der Familie nach ihrem Tod entziehen will und es der Kirche hinterlässt, ist auch noch nicht öffentlich. Aber ich hab ja gerade erst die Hälfte geschafft.

Auf das Buch bin ich durch eine Kurzbesprechung in der Zeitung aufmerksam geworden – und es hielt, was ich von Sommerlektüre erwarte. Abgründe aller Orten, aber keine Gewaltorgien, Dramen, aber keine Massaker. Viele Fäden, die alle zum Haus ziehen, einem kleinen Sommerhaus am Strand von Maine.

Der Schwiegertochter bröckelt ihre heile Welt weg, die eine Rebellin, die erst lernen musste, zu rebellieren, muss einsehen, dass sie ihrer Mutter ähnlicher ist, als es ihr lieb ist – und die Enkelin wird die Mutterrolle mit 32 übernehmen, auch ohne strikt nach den Regeln der Kirche zu leben.

Am Ende ist nur die Schwiegertochter wirklich unglücklich, die Frauen der Familie haben, wenn auch nicht den Frieden mit der Familie, so doch mit sich selbst gemacht.

Happy End? Nicht wirklich, ein wenig melancholisch, ein wenig hoffnungsvoll –  eher unspektakulär.

Bewertung

Nach dem Lesen jedem, der es wissen will und auch denen, die es nicht wissen wollen, empfehlen und verleihen,bis es auseinanderfällt – und auch gern weitere Exemplare davon verschenken (MUSS MAN LESEN)

Nach dem Lesen nicht groß drüber reden, an die Bücherei oder die Öffentlichen Bücherschränke abgeben (KANN MAN LESEN – KANN MAN AUCH NICHT LESEN) Eher KANN MANN. Kann man auch verleihen. Aber ein MUSS ist es sicher nicht. Immerhin – ich habe bis nachts um 3 Uhr daran gelesen.

Nach dem Lesen versuchen, die Bilder im Kopf zu löschen und ins Altpapier geben. (SOLLTE MAN NICHT LESEN – ZEITVERSCHWENDUNG, SCHADE UM DIE HIRNZELLEN, DIE MIT DEM INHALT BELEGT SIND)