Denken wie ein Neandertaler und „nicht das Paläon“

Heute ein Sachbuch.

„Denken wie ein Neandertaler“

Wie ich darauf kam? Artikel in der Tageszeitung (ähnlich wie bei „Sommer in Maine“ oder „Dunkle Gewässer“ – was ich noch lesen will).

Ein Gemeinschaftswerk von einem Archäologen und einem Psychologen über die Denkmuster und  – fähigkeiten unserer „Cousins“.

Immer wieder betont der Archäologe, dass der Neandertaler KEIN direkter Vorfahre war, sondern dass wir uns im Homo heidelbergensis einen gemeinsamen Vorfahren teilen. Homo sapiens sapiens stammt aus Afrika und wanderte nach Norden, da gab es Homo sapiens neanderthalensis bereits. Beide stammen ab von Homo heidelbergensis. Cousins, keine Geschwister.

Anhand von archäologischen Funden legt der Archäologe dann dar, wie der Alltag der Neandertaler vermutlich aussah. Aufgrund des Zeitablaufs sind weitestgehend Knochen und Steine vorhanden – nur ganz selten konnten auch Fundstücke pflanzlicher Herkunft nachgewiesen werden wie z.B. die Speere von Schöningen.

Das ist einer der Gründe, warum vieles in diesem Buch nicht mit 100%iger Sicherheit gesagt werden konnte – man weiß viele Dinge schlicht und einfach nicht.

(Aber ich lese ja gerne lückenhafte Sachbücher, wie schon die Shakespeare-Biografie von Bill Bryson)

Im Großen und Ganzen kommt heraus, der Neandertaler an und für sich hat nicht viele Worte gemacht, war recht unflexibel – und heute wäre er der Traum vieler deutscher Ministerpräsidenten, da er gern in menschenleeren Dörfern auf dem Land wohnen würde. Die Gegend des Neandertals, von der er seinen Namen hat, wäre ihm jedenfalls eindeutig zu sehr von Touristen, also Fremden, durchzogen. Einfluss von außen mochte er nicht. Vermutlich würde er heute sogar eher in Nordamerika in einem Mini-Kaff leben, wo er seinen Kindern immer noch 200.000 Jahre alte Kulturtechniken beibringen würde mit Home-Schooling. Symbole wie Mathematik? Tat er sich schwer mit. Sprache? Hatte er, aber anders als wir.

Lustigerweise ist das Neander-Tal nicht nach einem Fluss benannt – sondern nach einem Herrn Neander, der gerne Kirchenlieder komponierte, eine Eigenschaft die den vorherigen Bewohnern eindeutig abging. Kreativ waren sie nicht, unsere Cousins. (Und Kusinen.)

Gekauft habe ich mir das Buch, da der Artikel vor allem darüber schrieb, was Neandertaler in einer heutigen Gemeinschaft machen würden. Dies wurde leider nur auf den letzten Seiten erörtert. Nicht kreative, aber mechanische Berufe, durchaus auch anspruchsvollerer Art würden dem Neandertaler von den Autoren zugetraut. Sofern man dazu nicht zuviel Wissenschaft mit ihren theoretischen Erörterungen benötigte.

Es war für ein populärwissenschaftliches Buch sehr wissenschaftlich aufgemacht, für echte Wissenschaftsliteratur dann aber doch wieder zu verständlich für das Nichtfachpublikum geschrieben. Man merkte eindeutig, dass es kein Wissenschaftsjournalist verfasst hat. Dann wäre es am Anfang etwas gerafft worden und der unterhaltsame, spekulative Teil über einen Neandertaler heute wäre etwas breiter dargestellt worden. Die beiden Wissenschaftler hatten da wohl Bedenken, sich zu weit von den vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu entfernen und zu sehr in Spekulationen zu verlieren.

Alles in allem: KANN MAN LESEN – MUSS MAN NICHT. Ich hatte gehofft, in meinem Urlaub noch zum Paläon (s.o. Link Schöninger Speere) zu kommen, aber es scheint eine kleine Weltreise zu sein – Hannover ist ja schon verdammt abgelegen😉

Fahrzeit 2:42 (wenn ich nicht gerade um 6:35 fahren möchte) – mit viermal umsteigen (ok, einmal innerhalb Hannovers), davon einer Umsteigezeit von 46 Minuten am ZOB Schöningen (da geht das Leben ab!) – für 7 Minuten weitere Busfahrt (da kann man sich die letzte Busfahrt doch sicher sparen und laufen, oder?). Ich denke, das Buch zu lesen hat mir mehr gebracht.

Wenn das Land nicht lernt, seine Öffis besser zu koordinieren, wird es Städter nie anziehen. Das war schon die Schwäche des Landlebens, als ich noch auf dem Dörpe wohnte.

15 Antworten zu “Denken wie ein Neandertaler und „nicht das Paläon“

  1. I followed you but didn’t realise you wrote in German (your English is so good) I cannot read German so will unfollow but keep tabs.
    Now obviously this is going into spam so hope you find it.
    Cheers and thanks for your help the other day too.

    • no probs – Mrs. Carmichael – I unspammed you. I started this blog in german, when I did not think I would get many readers outside my little world of friends and family. I wonder, if I should open up a second in English though … Those who love it in german would still get a german blog (not everybody loves English as I do). And I could gain some readers like yourself with a second blog. Don’t know though, if I can take that much time! Will contemplate a little bit longer.

      • I know people who do it in both but you are more ‚wordy‘ (that’s a compliment BTW).

        I would love to be so good at another language (it could only be Spanish) but I think I’d have dedicate my life to it.
        I wonder about doing another blog but fear my personality is split enough already🙂

      • Keep those compliments coming – and my conceit will know no limits …
        Spanish is a wonderful language – but I have to admit „no hablo Espagnol“ and I do not even know how to write Spanish in Spanish … took the FRENCH word *facepalm*
        español it would be … *after looking it up – sigh*

      • hahha Espanol with a squiggle over the n and I don’t know where it is on my keyboard.

      • with me it is where the asterix and the + are … just you need some other key with it – I think Alt(something) Altgr? right to your space-bar
        Espa~nol – no, there is the sign, but it just will not mount the n ..

      • Does it work for you?

  2. The tilde (or twiddle in colloquial) can be found at the left from the enter key, on the same key as the hash. See http://en.wikipedia.org/wiki/File:KB_United_Kingdom.svg
    If you’re english.
    The us-american keyboard layout shows the tilde probably on the left-most top key, right above the tab key. See http://en.wikipedia.org/wiki/British_and_American_keyboards
    As far as I know, the tilde on the keyboard is not a diacritical symbol, but used for mathematics. At least that holds true for the german keyboard.
    To get the diacritical tilde one must know the ASCII code for the desired letter, ñ, or find a source and copy & paste it, like I did.
    Please, also see http://en.wikipedia.org/wiki/%C3%91
    and http://www.theasciicode.com.ar/extended-ascii-code/spanish-enye-lowercase-letter-n-tilde-enie-ascii-code-164.html
    Hold the alt key, press 164 on the num block, let go off alt key: ñ
    Google is your friend.

  3. Btw, Google does also a pretty nifty job of translating texts.
    http://translate.google.de/#de/en/

    • And now we get to the challenge for the experienced level: How do I insert japanese texts?
      Got three lovely japanese postcards today
      *just kidding about the japanese text, I will wait for my personal translator, when she arrives next week*

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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