Monatsarchiv: Mai 2013

Unmusikalisch

Eine Amerikanerin hat einen Flug zur „Notlandung“ gezwungen. Durch Gesang. Oder was sie dafür hielt.

Sie hat während des Fluges nicht aufgehört, Whitney Houstons „I will always love you“ zu singen. Der Guardian-Artikel zeigt auch ein Video dazu. (So ungefähr würde sich das anhören, wenn ICH diesen Heuler singen würde – und ja, ich hoffe, irgendjemand würde mir dann das Maul stopfen. Vorzugsweise mit Schokolade *lach*.) Diese Hörschäden bei den anderen Passagieren zahlt doch keine Versicherung!

Ich singe ja auch nicht laut in der U-Bahn – summe höchstens mal. Leise. Und das nicht einen ganzen Flug lang!

Spannend natürlich die Frage nach ihrem Motiv. Vielleicht war sie verrückt oder besoffen. Wenn sie besoffen war, vielleicht aus Flugangst. DAS wären die langweiligen Erklärungen. Und jetzt lass ich mal meine Phantasie frei:

Sie hatte vor, ihrem Freund einen Heiratsantrag zu machen – und hat sich selbst beim Singen gefilmt, in der Hoffnung, dass irgendwann ein brauchbarer Teil dabei wär? Sie hat eine Wette verloren – sie hätte eine Million Dollar gewinnen können, aber wenn ihr das nicht gelingt, musste sie etwas ÖFFENTLICH PEINLICHES tun? Sie kam direkt aus der Psychiatrischen Klinik, wo man ihr geraten hat, immer wenn sie sich klein und unbedeutend fühlt, sich selbst ein Ständchen zu bringen … Oder ein Verrückter Houston-Fan steckte hinter allem und droht, ihre Kinder umzubringen, wenn sie nicht auf einem Flug über ganz Amerika diese Hymne von Houston bringt.

Was würde Euch dazu bringen, öffentlich eine derartige Peinlichkeit zu begehen??

Verbrechen und Statistik

Hannover ist die gefährlichste Stadt Norddeutschlands (6. in der Kriminalitätsstatistik)- mit 13.842 Verbrechen pro 100.000 Einwohner.

Bremen schaffte es auf Platz 7.

Neu war mir, dass die Verbrechen in den Banken (Spekulationen mit Lebensmitteln, Vernichtung von Steuergeld durch riskante Spekulationen, für die dann doch der Steuerzahler gerade steht) tatsächlich offiziell als Verbrechen gewertet werden – oder wie sonst kommt Frankfurt am Main auf Platz 1?

*Sarkasmusmodus wieder aus*

Hannover auf der 6, Bremen auf der 7, Hamburg (größer als beide zusammen) auf der 9, Lübeck (12) und Kiel (17) auch noch in der Top Twenty. Und Rostock ist 21. Der Norden ist kriminell. Der Norden ist auch arm. Ein Schelm, wer da einen Zusammenhang sieht. *und ich war schon immer schelmisch veranlagt*

Und wer sich im Zusammenhang Armut und Kriminalität über die Frankfurter und die Düsseldorfer wundert – die haben die großen Flughäfen. Drogenschmuggel, Kofferdiebstahl, Zollvergehen … spielt alles mit rein.

Das könnte auch in Hamburg, Hannover und Bremen mit ihren (allerdings deutlich kleineren) Flughäfen der Fall sein. Außerdem ist Hannover bekannt dafür, dass hier intensiv nach Schwarzfahrern gefahndet wird.

Es werden eben auch die Nicht-Gewaltverbrechen in dieser Statistik erfasst.

Es gilt also der alte Satz: Traue keiner Statistik blind – zumindest stelle ein paar Fragen – wie bei jeder Studie.

So hat ein französischer Professor das Ende des BHs eingeläutet:

Die Schlagzeile „weg mit dem BH“ ist ja ein wunderbarer Eye-Catcher. Erst ganz unten im Artikel wird eingeräumt, dass es bei großen Körbchengrößen, bei Müttern und bei Dicken nicht richtig wäre. Und – dass der Professor bisher nur JUNGE Frauen, vor allem Sportlerinnen, untersucht habe (war sicher auch angenehmer anzusehen, nicht wahr, Herr Professor 😉  ). Und dass man, um das allgemeinverbindlich zu sagen, viel weiter angelegte Studien betreiben müsste! Dass das überhaupt eingeräumt wurde, ist schon bemerkenswert. Im Allgemeinen werden solche Studienergebnisse nämlich ohne diesen Warnhinweis abgeliefert.

 

 

 

Vogelkundler

Stunde der Gartenvögel ist dieses Wochenende wieder ausgerufen durch den NABU.

Dabei zählen Interessierte eine Stunde (wann man beginnt ist egal) die Vögel, die sie in Garten, Park oder sonstwo sehen. Ich zählte die Tierchen vorm Haus vom Fenster aus.

Zur Erleichterung gibt es einen Flyer – in den Stadtbahnen hier verteilt – der bereits Fotos der häufigsten Tiere enthält, das vereinfacht die Bestimmung der Arten. Meine Katze wollte mithelfen – aber traute sich dann doch nicht so recht – ihr war der Prospekt unheimlich.

Ich zählte bereits morgens um 6. Warum so früh?

Weil mich eine kleine Horde Krakeelchen nachts um 1 in den Schlaf gepiept hat und morgens um 6 dann die heimischen Bruthöhlen aufsuchte.

Krakeelchen? Diese Gattung findet sich NICHT auf der NABU-Seite, gehört systematisch aber eindeutig in die NDR-„Wer piept denn da?“-Reihe.

Wenn die Abende milder werden und am nächsten Tag frei ist, hört man die Krakeelchen schon von weitem wieder an ihren traditionellen Versammlungsplätzen:

„Ey, mach ma Platz da, gipp ma Stoff“

Die Krakeelchen besiedeln dann wieder die Eingangsstufen von bereits geschlossenen Geschäften und Bushaltestellen mit geringer Busfrequenz. Die Rangordnung ist deutlich an der Verteilung der raren Weibchen zu erkennen. Die Männchen stammen von Bolzplatzkrähen ab und werden sich auch in einiger Zeit zu solchen weiter entwickeln.

Die Krakeelchen sind muntere, nachtaktive Genossen, die die flüssige Nahrungsaufnahme gerne in geselliger Runde vollziehen.Das geht nicht immer ohne Futterneid ab, aber meist sind die Verteilungskämpfe ritualisiert und beschränken sich auf verbale Auseinandersetzungen. „Ey, gipp mal Flasche“ – „Nö, klau dir selber eine!“ – „Willse welche aufs Maul!“ – „Ey, Opfer!“

Wenn um sie herum die ersten anderen Aktivitäten stattfinden, frühe Sattelquatschen auf dem Weg in den Wald oder die ersten Kläfferschnepfen, wissen die jungen Krakeelchen, dass es Zeit wird, sich in die heimische Bruthöhle zurück zu ziehen und sich dort dem grusligen Alptraum aller Alkohol konsumierenden Pieper zu stellen – dem Kater. Zur Sommerferienzeit lassen sie es allerdings nicht soweit kommen – und führen sich rechtzeitig erneute Alkoholgetränke zu. Das ist ihre Saison.

Laien verwechseln die Krakeelchen gerne mit den Prosecco-Lerchen (Weibchen) oder den Blaukehlchen – aber die werden beim NDR in einer anderen Folge beschrieben.

Jazz

Wettervorhersage: 85% Wahrscheinlichkeit, dass es regnet .. Mittags vor allem.

Mit diesem Wissen ließ ich die Sonnenbrille und das Käppi vom letzten Mal daheim, traf mich um kurz vor 10 an der U-Bahnstation und zog in Begleitung vor das Rathaus. Schönstes Wetter. Die Jazz-Band Hannover spielte tapfer gegen die frühe Stunde an, die ca. 150 Leute, die sich schon aus den Betten gewälzt hatten, vorwiegend ältere Semester (soviel dazu, mit dem Spektakel mehr junge Leute anlocken zu wollen) gingen nicht weniger tapfer mit, es wurde, weil ja noch viel Platz war von einigen der Tapferen auch getanzt.

Das war das Vorgeplänkel. Dann folgten die Ray Gelato Giants mit heftiger Promo für das neue Album mit italienischen Swing-Titeln. Der Platz füllte sich langsam, noch immer überwog die Gruppe der 50 + Leute, und die Stimmung zog an. Es wurde 12, wir gingen ins IchiBan essen – schöne Portionen für nicht viel Geld. Und lecker war es auch noch. Weiß nicht, wieso die Mehrheit der Leute die Bratwurst am Rathaus vorzog.

Zurück am Rathaus gab es die Hannover Bigband – mit Stargast Max Mutzke. Und der lieferte. Unglaublich, was der „Junge“ sich gemacht hat. Introvertierter Pulloverträger, als Raab den Song-Contest-Teilnehmer suchte, war da jetzt ein Mann auf der Bühne, der die BigBand anleitete, das Publikum mitzog (von mitreißen kann keine Rede sein, der Hannoveraner an sich ist ein Norddeutscher, so leicht reißen wir nicht) und den Entertainer gab.

Er brachte nur einen Song auf Deutsch – aber bewies mir Skeptikerin damit, dass es auch durchaus vernünftige Swing-Musik auf Deutsch geben kann.

Und er lobte Hannover – und dass er mit Berlin, Wuppertal und dem Schwarzwald telefoniert hätte, aber überall dort hätte es geregnet. Wir hatten Sonnenschein.

Nach der BigBand folgte eine längere Umbaupause, es kam dann Matt Bianco. Ein langer Akt! Und wenn das mit „Hannover swingt“ auch nix mehr zu tun hat – mir gefiel es. Half a minute klang allerdings wesentlich anders. Sunshine day war irgendwo bei mir noch eingespeichert und „Don’t blame it on the girl“ habe ich auch wieder erkannt.

Für mich war das der letzte act – mein Rücken und die Beine fanden, es wurde Zeit, nicht mehr doof rumzustehen – ich ging dann nach Hause.

Immer noch kein Regen. Wir haben wohl ne 86 gewürfelt 😉

Theaternacht

Diese Nacht findet also die Lange Nacht der Theater statt in dieser Stadt. Zur Zeit läuft noch die Abschlussparty – aber große Partys waren noch nie so mein Ding.

Was war dann meines?

Begonnen hat alles mit einem Besuch bei der Hinterbühne – Unterhaltsames über Atomkriegsratgeber und Atomkraftunfälle – ich gehe heute beruhigt ins Bett. Weiß ich doch, dass statistisch gesehen nur alle 5000 Jahre sich ein Atomunfall ereignen kann – damit ist für die nächsten 50.000 Jahre Ruhe. Ein herrliches Gefühl!

Wunderbar war auch das Atombunkerliederbuch: Ashes to Ashes, Help und Yesterday waren u.a. darin 😉

*kleines Schmankerl am Rande: Ein Freund von mir hat sein Handy lautlos gestellt am Eingang – und ich gleich mit. Für die ganze Nacht. Der Ansager hat auch noch mal besonders darauf hingewiesen. Und eine junge Dame, zwei Plätze weiter neben mir? Zieht 1 Minute vor Vorstellungsbeginn erst mal ihr Smartphone aus der Tasche und sieht nach einer Nachricht. Dann beantwortet sie diese Nachricht noch . Mann, muss DIE WICHTIG sein.

Der Ansager machte außerdem auch noch den einen oder anderen Hinweis auf den Marathon am 05.*

Anschließend nahmen wir nicht den Kulturbus der Üstra, der umsonst gewesen wäre, sondern die Bahn (habe sowieso eine Monatskarte, die anderen haben sich mit entsprechenden TIckets versorgt gehabt) – und erreichten den Ballhof zeitig genug, um uns dort erneut eine weitere unserer nicht reservierten Shows anzusehen – von dem Ensemble, dass ich beim letzten Mal bei Coraline gesehen habe. Es wurde eine Kurzversion des Maulbeerbaums gegeben – ein alter, reicher Chinese verkauft den Schatten seines Baumes – ohne daran zu denken, dass dieser Schatten wandert – Merke: Nicht alle alten Chinesen sind weise.

*Lustiger Ansager vor der Vorstellung: Bitte denken Sie daran, Ihr Handy NACH der Vorstellung wieder auszuschalten*

Dritter Programmpunkt war unser erster reservierter: Theater in der List. Es erwartete uns eine negative Überraschung, statt Odysseus gab es Die Fetten Jahre sind vorbei. Die materialistische Welt saß auf der Anklagebank. Die Anklägerin war allerdings sehr argumentationsschwach.

Vierte Station unseres Theatermarathons (wie der Anmoderator im ersten Theater sagte: die einen laufen Sonntag, die anderen schon Samstag), und die Kalkulation war knapp: Marionettenkabarett. Ein Käfigvogel rebelliert gegen seine Unfreiheit – die er aber dann doch, als sie durch den Bruch des Käfigs aufgehoben wird, nicht verlassen will; norddeutsche Bauern beim Klönschnack – in der Zeitrafferversion, der alte Raucher, der sich über das Rauchverbot im Altersheim aufregt – alles sehr unterhaltsam. Und das Theater hatte netterweise mit dem Beginn der Vorstellung auf den Theaterbus gewartet.

Für die nächste Station nahmen wir dann die Bahn in die Stadt – wir wollten um 22 Uhr ins Varieté-Theater. Und das war mein Highlight des Abends. Balanceakts in Vollendung. Vor allem das Paar hatte es mir angetan, bei dem mal er, mal sie den „Ausleger“ spielte – und auch mal beide  – eine unglaubliche Leistung. Flotte Rhythmen gab es bei einer brasilianischen Menschenpyramidentruppe, eine spanische Tuchbalanciererin war auch wirklich nett anzusehen. Der Diabolo-Künster allerdings wurde locker von dem Künstler in dem Jugendzirkus in den Schatten gestellt, den ich in einem früheren Jahr sah.

Zu guter letzt zog ich dann noch mit nur noch einem der Freunde weiter zu einer Gesangsdarbietung ins Künstlerhaus. Einige Cover, eine sehr liebevolle Hommage an Hannover (mit einem ironischen Ende) – und eine Zugabe, die gerade in den Mai jetzt passt: Alarm auf dem Maikäferlandeplatz – Die dicke Berta kommt.

Es hat alles erstaunlich gut funktioniert, knapp war es zwar manchmal, aber nichts war zu knapp, überall, wo wir reinwollten, kamen wir rein (wenn auch einmal nicht zum Stück unserer Wahl), unsere Wegeplanung (also die des Freundes, der sich die Mühe gemacht hat, die Transportmöglichkeiten durchzuprüfen) funktionierte und Spaß hatten wir auch.

Ich habe gar nicht so vermisst, dass das TAK dieses Jahr nicht dabei war – und auch die Oper keine Late-Night-Musikdarbietung mit Swing mehr brachte – Highlights, die ich sonst jedes Jahr geschätzt habe.

Auch dass das Theater am Aegi nicht mitgemacht hat, war nun kein Beinbruch. Im Gegenteil, so wurde man geradezu dazu gedrängt, die Bühnenvielfalt auch wirklich auszunutzen. Und das war nicht zu meinem Schaden!

Nächstes Großevent: Vermutlich Himmelfahrt das Freiluftkonzert vor dem Rathaus – wenn das Wetter mitspielt.