inhannover wird auch gelesen

Zum einen natürlich wird dieser/s Blog hier gelesen – von Euch – DANKE mal dafür. Ein Blog ohne Leser ist ein Blost .. ein blog-ghost.

Aber eigentlich meine ich natürlich, dass hier in der Stadt auch gelesen wird. Ich selber tu’s gern – allerdings bin ich noch ein old-school-Anhänger – ich brauche ein BUCH.

Im Nahverkehr hier in der Stadt halten sich die old- und die new-school-Anhänger die Waage – man sieht immer noch viele Bücher, aber immer wieder auch Leute, die mit Hilfe eines Tablets oder eines e-book-readers ihre Lektüre konsumieren. Es gibt für beides gute Gründe. Old-schooler brauchen das Haptische, brauchen das Rascheln beim Umblättern, wollen ein schönes Cover oder lieben es einfach, am Weg des Lesezeichens durch das Buch zu sehen, wie weit sie vorangekommen sind. Old-schooler sind aber auch Leute, die gern ihre Bücher mit anderen teilen, oder auch mal echte Bibliophile – davon gibt es immer weniger – die Hardcover kaufen, Regalwände füllen und am liebsten eine ledergebundene Bibliothek daheim hätten. (Gibt es ja schon Tapeten für!)

Die New-Schooler sind zu einem kleinen Teil die, die immer alle technischen Gadgets ausprobieren, aber die nicht wirklich viel lesen damit. Die meisten benutzen e-book-reader wegen des reduzierten Gewichts, weil man dann (z.B. im  Urlaub) wenig Platz und Gewicht für Lektüre reservieren muss. Auch die, die im Nahverkehr viel Zeit mit Lesen verbringen, mögen die kleinen Maße, die leichte Handhabbarkeit (schlägt sich immer auf der letzten gelesenen Seite auf), das geringe Gewicht – und dass es weniger Probleme mit Schäden am Buch gibt (Knicke und Risse gehören der Vergangenheit an, aber ich würd mich nicht darauf verlassen, dass ein e-Book-reader eine ausgelaufene Trinkflasche besser übersteht als ein klassisches Buch – das trocknet man hinterher und liest es in gewelltem Zustand weiter).

Ich bin mehr der haptische Typ, ein Buch muss sich anfassen lassen, ich muss es auch mal wegwerfen können (wenn es grottig ist), nicht einfach löschen, das ist nicht dieselbe Befriedigung – und ich mag es, dem Lesezeichen bei seiner Wanderung durch das Buch zuzusehen – damit kommt die Fortschrittsanzeige beim Reader einfach nicht mit. Außerdem liebe ich Lesezeichen (Lesezeichenkalender sind hervorragende kleine Zusatzgeschenke und schon ab Juli erhältlich für das nächste Jahr, aber auch andere Lesezeichen sind immer wieder überraschend kreativ).

Eines der letzten Bücher, das ich gelesen habe, war „Er ist wieder da„(Da einige Blogleser noch das Buch von mir leihen und lesen wollen, gehe ich jetzt nur sehr grob auf den Inhalt ein.)

Ein Roman über Hitler, der im Sommer 2011 in einem Berliner Innenhof aufwacht, in Nazi-Uniform, und zum Comedy-Star avanciert, weil er einfach ausspricht, was Hitler in dieser modernen Welt aussprechen würde – und ihn keiner ernst nimmt.

Das Buch ist perfide. Es ist in Hitlers Ich-Perspektive geschrieben – und manche Dinge, die Hitler stören, reißen jetzt mich auch nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin (tag-Schmierereien an Hauswänden sind da so ein Beispiel). Aber WER WILL SCHON HITLER ZUSTIMMEN?? ICH nicht.

Glücklicherweise löst der Autor das Dilemma, in das er mich bringt, halbwegs auf: Er lässt Hitler dann in der Folge so unmögliche Reaktionen darauf denken, dass ich mich als Leser wieder distanzieren kann. Aber ein kleiner Rest Unbehagen bleibt. Wäre ich zwischen 1933 und 1945 wirklich ein Nein-Sager gewesen?

Mein Selbstbild schwankt da noch … Und dabei habe ich eindeutig den notwendigen Widerspruchsgeist, eine eindeutige politische Stellung, die sich nicht mit Nazi-Ideologie verträgt – und kenne wenig Angst. Auf Brutalität und Einschüchterungsversuche reagiere ich eher mit Wut. Jedenfalls sobald eine gewisse Nichtigkeitsschwelle überschritten wird – darunter lache ich alles weg. Aber wie weit hätte mich der demagogische Apparat jener Zeit zur Zustimmung bekommen – ohne Druck? Wie sehr hätte ich mich von einem „Ordnungs“-Gebrülle beeinflussen lassen? Die Frage bleibt unbeantwortet. Zumal ich in jenen Zeiten nicht die wäre, die ich heute bin – bin ich doch in den 70ern und 80ern groß geworden und zum kritischen Hinterfragen in der Schule erzogen worden. Das wäre ja weggefallen.

Es ist ein gutes Buch, denn es bringt mich zum Nachdenken.

Den heute schreienden Demagogen kann ich jedenfalls widerstehen – dazu mag ich die bunte und chaotische Vielfalt des Lebens viel zu sehr.

Übrigens – ich habe es in der gebundenen Ausgabe gekauft – da kostet 1933 Cents. Das ist mir beim Kauf damals nur als „krumme Summe“ aufgefallen – gerade beim Artikelschreiben fällt es mir dann doch noch ins Auge.

Zurück zum ÖPNV-Leser – ja, dort wird viel gelesen – doch immer mehr vor allem jüngere (zwischen 14 und 25) Menschen haben auch einfach nur ein Smartphone vor der Nase und lesen Mails, Statusmeldungen, beteiligen sich an Chats … Wo früher eindeutig die Leser von Büchern auch noch diese Altersgruppe abgedeckt haben – und nicht alles waren nur Harry Potter und andere Fantasy-Bücher.  Bei dieser Altersgruppe ist Facebook so wichtig geworden, dass für andere Books keine Zeit mehr bleibt – nicht mal auf dem Smartphone gelesen. Was ja möglich ist. Doch AUSSCHLIESSLICHE Smartphone-Nutzung kann ich auch da nicht feststellen. Sogar ein analoges Buch sehe ich manchmal in den Händen dieser Altersgruppe – nur sind es halt deutlich weniger als sagen wir mal vor 5 bis 10 Jahren.

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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