Nachrichten sind schlecht

Ein Guardian-Artikel hat die Thesen von Rolf Dobelli aufgelistet, warum Nachrichten schlecht für uns seien. Ich gebe hier stark verkürzt in Kursivschrift wieder, was im englischen Artikel stand – und meine Einwände gegen diese Thesen. Eine These gilt nach wissenschaftlichen Standards als widerlegt, wenn ich ein Gegenbeispiel finde – falls ich mich richtig erinnere – wenn nicht, bitte korrigierend kommentieren.

Die Nachrichten führen in die Irre – weil man sich auf die „falschen“ Fakten konzentrieren würde, mit denen die Journalisten die Perspektive der Geschichte auf die falschen Dinge lenken.

Dem halte ich entgegen – wie oft hab ich bei einem Artikel schon hinterher gefragt, was denn nun mit … sei – man muss Nachrichten mit Verstand konsumieren.

Nachrichten seien irrelevant man solle einen Artikel benennen, nach dessen Lektüre man eine informiertere Entscheidung treffen würde.

Dem halte ich entgegen: Bio-Eier-Skandal, Pferdefleisch-Betrug, Öko-Sprit-Verträglichkeit für mein Auto. Ich habe schon von Leuten gehört, die nach einem Lebensmittelskandal ihre Ernährung auf Dauer umgestellt haben.

Nachrichten können nichts erklären. Ich weiß ja nicht, welche Nachrichtenquellen der gute Autor zu Rate zieht, ich bekomme in verschiedensten Medien eine Menge Hintergrund vermittelt. Aber vielleicht sollen Nachrichten auch noch nicht erklären, vielleicht reicht es ja, Leute zu irgendwas neugierig zu machen, damit sie selbst tiefer einsteigen in die Thematik. Die Nachrichten sind ja nicht unsere einzige Faktenquelle!

Nachrichten seien Gift für den Körper. Sie lösen Stress aus. Na, also ich finde die guten Nachrichten auf Huffingtonpost (s. Vorartikel) immer wunderbar entspannend. Aber vielleicht habe ich aufgrund meiner Lebensgeschichte auch nur gelernt, viel mehr Positives auch in schlechten Nachrichten zu lesen. Oder mich über die schlechten Nachrichten zu amüsieren, wenn ich ihnen nix Positives abgewinnen kann.

Nachrichten tragen zu Wissensfehlern bei. Weil man nur das in Betracht zöge, was die eigenen Thesen unterstützt. Der zweite Satz ist korrekt, man nennt es Selektive Wahrnehmung. Aber dies gilt für alle Faktenquellen – auch wenn ich  mir als Partei ein Gutachten erstellen lasse, erzähle ich hinterher, was alles im Gutachten steht, das meine Position stützt. Es ist also nicht Nachrichten-spezifisch. Dann muss ich jede Information von außen ablehnen.

Nachrichten stören das Denken. Weil sie angeblich die Konzentration stören. Nur, wenn ich mich nicht von ihnen lösen kann. Schließlich gibt es für Nachrichten und andere Ablenkungen einen Ausknopf an den Medien. Auch meine Zeitung kann ich lesen, muss sie aber nicht, wenn ich mich konzentrieren will.

Nachrichten sind wie eine Droge, wenn ich einmal einem Strang folge (alle Geschichten über ein bestimmtes royales Pärchen z.B.), dann will ich wissen, wie es weitergeht. Auch das ist nicht anders als bei anderen Ablenkungen z.B. Seifenopern und hat etwas mit Selbstdisziplin zu tun.

Nachrichten sind Zeitverschwendung. Auch da gilt, wenn ich es zulasse. Ich kann mich dem widmen (und, so wie ich manchmal) später ins Büro kommen – oder ich kann es mit etwas mehr Disziplin lassen.

Nachrichten machen uns passiv. Wie dieses Blog ja widerlegt.

Nachrichten töten die Kreativität. Nein, ganz im Gegenteil – Nachrichten sind selber ein kreativer Vorgang – jeder Journalist kreiert nämlich seinen Text. Und der Fotograf/Kameramann wählt auch seine Perspektive, wie uns die Snaparazzi immer wieder beweisen.Außerdem sind einige meiner schönsten Stories von Nachrichtentexten inspiriert worden. Dass man nämlich nur schreiben könnte, wenn man eine Sache nicht schon kennen würde, ist eine These, die ich so nicht stehen lassen kann. Die Mehrheit der Schreiber auch im Fantasy und SF-Bereich schreiben ja fußend auf dem, was dem Leser bereits bekannt ist und denken dies nur in eine Richtung zu Ende.Außerdem ist es ja gerade so, dass Nachrichten selber Lücken lassen (s. auch sein Gegenargument „führen in die Irre“). Diese mit Fiktion zu füllen ist kreativ!

Ich würd sagen, BUSTED – in allen Punkten der Anklage – sorry, muss jetzt den Kurier auf NDR2 als Podcast hören😉 Sonst leide ich an Entzug.

Bullsh.. um 19 Uhr kommt doch schon wieder einer.

If I promise to read it, can I convince you to comment? Wenn ich verspreche, dass ich es lese, kann ich dich überzeugen, zu kommentieren?

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